Hannes

von Astrid Maul

 

 

Es war einmal ein Mann, der hieß Hannes. Eigentlich hieß er Johannes, aber viele Leute fanden “Johannes” zu lang und nannten ihn einfach Hannes. Er lebte alleine in einer Hütte am Rande einer großen Stadt.

 

 

“Wenn ich nur ein bißchen Glück hätte, dann würde ich nicht hier wohnen müssen.” sagte er.

 

 

Und er zog los, um Glück zu kaufen.

 

 

Er suchte in jedem Laden danach, aber nirgends gab es Glück zu kaufen.

 

Eines Tages kam ein fahrender Händler in die Stadt. Niemand hatte diesen Händler jemals vorher gesehen. Er hatte einen Hut mit einer großen Feder daran auf. Seinen Wagen zog ein altes Pferd und auf seiner Schulter saß ein Papagei.

 

 

“Oh, ich frage mal diesen Händler, vielleicht kann der mir Glück verkaufen”, dachte Hannes. Also ging er hin.

 

 

“Glück für's ganze Leben, dann mußt du mir einen Buchstaben aus deiner Sprache geben”, grinste der Händler und wartete auf Hannes' Antwort.

 

 

“Gut, ich gebe Dir das 'R' sagte Hannes, “woher weiß ich aber, daß ich das Glück jetzt habe?”

 

 

“Wenn du nach Hause kommst, findest du in deiner Hütte eine Truhe voll Goldstücke.” antwortete der Trödler.

 

 

Hannes lief nach Hause – und wirklich, in seiner Hütte stand eine Truhe voll Goldstücken. Er überlegte sich, was er damit kaufen wollte. Am besten ein kleines Haus! Er ging wieder in die Stadt. Unterwegs traf er einen Bauern, der ihn gut kannte.

 

 

“Hallo Hannes, wie geht es dir?”

 

 

“Mi geht es gut. Ich muß asch in die Stadt und will mi ein kleines Haus kaufen.” sagte Johannes. Tatsächlich! Er konnte kein 'R' sagen!

 

 

Aber so schlimm war es nicht. Hannes kaufte sich also ein kleines Haus und hatte nun auch fast keine Goldstücke mehr, nur 4 Goldstücke waren noch übrig.

 

Geborgenheit fehlte ihm noch, und Freude.

 

 

Er ging also wieder zum Händler und verlangte Geborgenheit und Freude.

 

 

“Ah, das sind ja gleich 2 Dinge! Geborgenheit und Freude für's ganze Leben, dann mußt du mir schon 2 Buchstanben aus deiner Sprache geben!” sagte der Händler.

 

 

“Gut, ich gebe di das 'E' und das 'S'. Sag mal, verkaufst du mi auch den Papagei?”

 

 

“Es ist ein ganz besonderer Papagei. Wenn du den linken Fuß berührst, rollt er die Zuge ein und sagt 'R', wenn du den rechten Fuß berührst, schreit er 'E!' 'E!'” erklärte der Trödler.

 

 

“Gut, ich kaufe ihn für 2 Goldstücke.” sagte Hannes.

 

 

Der Händler nickte geheimnisvoll und setzte Hannes den Papagei auf die Schulter.

 

 

Hannes machte sich auf den Heimweg und konnte fortan kein 'R', kein 'E' und kein 'S sagen. Aber für das 'R' könnte er den linken Fuß des Papageis berühren, für ein fehlendes 'E' den rechten Fuß.

 

 

Wieder kam ihm der Bauer entgegen: “Hallo Hannes, wie geht es dir?”

 

 

Und Hannes antwortete: “Mi” - dann tippte er den linken Fuß des Papageis an und der Papagei krähte das fehlende 'R'........”g..” - dann tippte er den rechten Fuß an, der Papagei schrie 'E!' - “ht” - wieder rechter Papageifuß 'E!' “gut. Ich hab j” - rechter Papageifuß 'E' “...tzt in Hau.”

 

 

Der Bauer wunderte sich. Er verstand nur: “Mi ght gut. Ich hab jtzt in Hau” - und dazwischen schrie imer wieder der Papagei auf Hannes' Schultern.

 

 

Der Bauer fragte: “Bist du krank, Hannes?” und Hannes antwortete:

 

 

“Nin!”

 

 

Als Hannes nach Hause kam, war es dort mollig warm und eine liebe Frau erwartete ihn. Aber Hannes war immer noch nicht zufrieden, er gab dem Trödler noch den Buchstaben 'A' für Spaß, 'U' für Liebe und 'O' für Freunde.

 

 

Als ihm der Bauer wieder entgegenkam, sagte der Bauer wieder zu Johannes: “Hallo Hannes, wie geht's?” Und Johannes antwortete:

 

 

“Mi ght gt. Ich hb jetzt in s nd in F.”

 

 

Den Papagei konnte Johannes jetzt nicht mehr zu Hilfe nehmen, denn der war vor 2 Tagen vor lauter 'R' und 'E'-Schreiben heiser geworden und gestorben.

 

 

Der Bauer verstand Johannes nun gar nicht mehr: “Bist du krank?”

 

 

“Nin!” war die Antwort. Es war schlimm. Er konnte nicht einmal mehr: “Heute regnet es.” sagen. Das hieß dann so:

“Ht gnt!”

 

 

Und die Moral von der Geschicht?

 

 

Es gibt Dinge, die man nicht kaufen kann und: Auf Papageien ist einfach kein Verlaß!


(c) Astrid Maul

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