Japanische Flechttechnik: Wieviele Streifen denn? Ein Berechnungsversuch

Mit diesem Blogeintrag will ich denen ein bißchen weiterhelfen, die eigene Nähprojekte mit japanischer Flechttechnik machen wollen, die in keinem Buch zu finden sind.


Wieviele Streifen brauche ich denn, um ein Muster in japanischer Flechttechnik nachzuflechten?


Und welche Länge müssen sie haben?


Das hängt natürlich vom Muster ab.


Anmerkung: Ich stecke zuerst die senkrechten Streifen (die später die Länge des Täschchens ergeben) auf einer Korkplatte fest, drehe dann diese um 90 Grad und flechte dann die restlichen Streifen - gegebenenfalls in einem bestimmten Winkel - ein.



1) Muster mit nur senkrechten und waagrechten Stoffstreifen


Wenn das Muster "nur" aus senkrechten und waagrechten Streifen besteht, nehme ich die gewünschte Länge und die gewünschte Breite meines Stücks und teile sie durch die Breite meines Streifens.


Beispiel: Ich möchte eine Kulturtasche machen, 30cm x 20cm. Die "flechtfertigen" Stoffstreifen (d.h. mit Vliesofix eingebügelt) sollen 2,5cm breit sein - man braucht aber dazu 5cm breite Stoffstreifen zur Herstellung der flechtfertigen Streifen. Zur Länge und Breite rechne ich noch etwas dazu


Dann brauche ich 32cm:2,5cm = 12,8 = 13 Streifen und

25cm : 2,5cm = 10 Streifen, also


13 Streifen 32cm x 5cm und

10 Streifen 25cm x 5cm.


Gegebenenfalls Verdoppeln für Rückseite nicht vergessen.


Vliesofix für Vorder- und Rückseite:

26 * 32cm + 20 * 25cm = 832cm + 500cm = 1332cm = 13,32m



2) Flechtmuster mit in bestimmten Winkeln eingeflochtenen Querstreifen


Seht euch die einzelnen "Schichten" des Musters an: Besteht es aus langen, senkrechten Streifen, in die andere Streifen zuerst von links und dann von rechts quer eingeflochten werden? Oder werden mehrere "Schichten" aus Streifen in einem bestimmten Winkel verflochten? Die Anzahl der Stoffstreifen muss für jede "Schicht" gesondert ermittelt werden. Am Schluß die Anzahl der Stoffstreifen für jede Schicht in einer Zusammenfassung untereinander schreiben, dann kann man besser bestimmen, wieviel Vliesofix benötigt wird.


2a) Senkrechte Streifen mit in Winkeln eingeflochtenen Querstreifen


Die senkrechten Streifen sollten etwas länger sein, als die Länge, die das fertige Flechtstück später haben soll.

Streifenlänge senkrechte Streifen:

Länge des fertigen Flechtstücks : Breite eines "flechtfertigen" Streifens.

Im Beispiel: 32 : 2,5cm = 12,8 = 13 Streifen a 32 x 5cm


Winkel, in dem "Querstreifen" eingeflochten werden sollen

"Teilungsfaktor" für jede "Schicht", die eingeflochten wird, Länge + Breite addieren, dann durch Faktor teilen

Länge des Streifens bei 25cm Breite

30°

5

35cm

45°

3,53

40cm

60°

2,89

55cm


***

 

Im Internet die Länge von Streifen ausrechnen lassen - wo und wie

 

Wie lang die Streifen mindestens sein müssen, die man in einem bestimmten Winkel einflechten will, kann man sich mit Dreiecksberechnungen, wie man sie von der Schule her kennt, ausrechnen.

 

Zur angegebenen Länge des Streifens habe ich 4cm zugefügt und dann auf den nächsthöheren 5cm-Schritt "aufgerundet".

Schaubild "Dreiecksberechnung"
Schaubild "Dreiecksberechnung"


 Auf der Webseite http://rechneronline.de/pi/dreieck.php ("Dreieck-Rechner") kann man sich die notwendige Streifenlänge - im Schaubild oben die Strecke A-B bzw. die Bezeichnung "c" - ausrechnen lassen.

 

Dazu 3 Werte wie folgt eingeben:

 

bei "Seite a": die Breite/Höhe (z.B. wie "hoch" soll das Täschchen werden), die das Flechtstück haben soll

 

bei "Winkel ß" (Winkel Beta): den Winkel, in dem der Streifen durchgeflochten wird, z.B. "30"

 

bei "Winkel y" (Winkel Gamma): "90" eingeben (das fertige Flechtstück ist rechtwinklig)

 

Bei "Seite c" wird dann angezeigt, wie lang der Stoffstreifen mindestens sein muß. 4 cm auf den Wert draufschlagen und auf den nächsten 5cm-Schritt "aufrunden".

 

***

Wenn nun in die senkrechten Streifen eine Schicht Streifen im 30°-Winkel eingeflochten werden sollen, -siehe Tabelle - Länge + Breite addieren und durch den "Teilungsfaktor" für den entsprechenden Winkelgrad dividieren:

 

32cm Länge + 25cm Breite = 57 : 5 ("Teilungsfaktor für 30°, siehe Tabelle oben) = 11,4 = 12 Streifen a 35 x 5cm

 

bei 2 Schichten (Streifen von links in 30° und von rechts in 30° eingeflochten) benötigt man doppelt so viel

 

Für den Materialbedarf nun die Streifenanzahl für alle "Schichten" addieren:

 

Senkrechte Streifen: 13 Streifen a 32cm x 5cm  PLUS

2 eingeflochtene Schichten im 30° Winkel: 2 x 12 Streifen = 24 Streifen a 35cm x 5cm

 

Soll Vorder- und Rückseite in japanischer Flechttechnik sein, nicht vergessen, die Anzahl zu verdoppeln!

 

Bedarf:

26 Streifen a 32cm x 5cm

48 Streifen a 35cm x 5cm

Vliesofix: 26 * 32 + 48 * 35= 832 + 1680 = 2512cm = 25,12m

 

 

2b) Muster, bei denen alle Streifen in Winkeln geflechtet werden (keine senkrechten Streifen)

 

Die Muster sehen in der Flechtanleitungsskizze aus wie ein auf die Spitze gestelltes Quadrat. Zur Berechnung kann man sich das Muster auch so gedreht vorstellen, daß man auf ein Quadrat schaut. Dann ist eine Berechnung wie in 1) möglich.

 



Bin gespannt, ob euch das weitergeholfen hat. Wenn ihr Fragen oder Anmerkungen habt, schreibt mir einfach unter info(at)unikationale.de oder hinterlaßt einen Kommentar.


Ein Beispiel einer Berechnung des Materialbedarfs für eine Kissenhülle in japanischer Flechttechnik, 30 x 30cm, stelle ich Mitte kommender Woche ein.

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Kommentare: 2
  • #1

    Herta Prünster (Freitag, 01 Mai 2015 20:12)

    Müssen die Streifen wirklich schräg geschnitten werden oder kann
    man auch gerade schneiden.

    Liebe Grüße aus Südtirol
    Herta

  • #2

    Astrid Maul (Samstag, 02 Mai 2015 10:13)

    Hallo Herta,

    für die Herstellung der Streifen selbst können meiner Meinung nach die Streifen auch gerade geschnitten, d.h. müssen nicht unbedingt schräg geschnitten werden. Durch das eingebügelte Vliesofix haben sie ohnehin zusätzlichen Halt und können nicht ausfransen. Ich hoffe, die Anleitung ist einigermaßen gut zu verstehen. Für die schräg einzuflechtenden Streifen die Streifen wirklich, wie oben angegeben, um einiges länger machen, weil man manchmal die überstehenden Stücke noch braucht, um bis in die Ecken zu flechten. Viel Spaß bei der Flechttechnik - Astrid