Hospiz - Was ich mir darunter NICHT vorgestellt habe

Ich hatte Anfang Februar hier im Blog darüber geschrieben, daß ich mit meiner Freundin, die Bauchspeicheldrüsenkrebs hat, ein Kinderbuch schreibe.

 

Mitte März waren wir noch zusammen 4 Tage nach Ostdeutschland gefahren, weil sie noch einmal ihre Verwandten dort sehen wollte. Kurz darauf kam sie ins Krankenhaus und nach 2 1/2 Wochen dort wurde sie ins Hospiz Vilsbiburg verlegt. Für mich war das ein Schock. Der Begriff "Hospiz" allein hat so viele negative Besetzungen. Erwartet habe ich eine Krankenhausatmosphäre mit strengen Besuchsregeln, alles "steril", alles leise. Und daß es irgendwie ein "Aufgeben" sei. Alle Hoffnung vergeblich. Ja, ich hatte auf ein Wunder gehofft - und ich tue es immer noch. Es fällt mir schwer, zu beschreiben, wie ich mich fühle. Manchmal zerreißt es mich fast.

 

Als ich meine Freundin dort das erste Mal besucht habe, mußte ich meine Meinung revidieren. Was ich irgendwie NICHT erwartet habe: Der Bau ist mit hellen Farben gestrichen, Besuchseinschränkungen gibt es nicht, die Pflegekräfte versuchen, sowohl den "Bewohnern" als auch den Besuchern jeden Wunsch zu erfüllen. Auch wenn sie mitten in der Nacht Lust haben, etwas zu essen. Es gibt einen Klavierflügel im Eingangsbereich, große + helle Zimmer, Besuchsdienste des Hospizvereins, Konzerte, Psychologen, Kunsttherapieangebote, Massagen, Mahlzeiten (auch für Besucher, wobei es keine festen Essenstermine gibt), Übernachtungsmöglichkeiten für Besucher und vieles mehr. Und sehr freundliches und hilfsbereites Personal.

 

Meine Freundin hat mittlerweile einen Port gelegt bekommen und trägt 2 Schmerzpumpen (eine für Schmerzmittel und eine andere für die anderen Medikamente), sie hatte mich gebeten, dafür eine Tragetasche mit Schulterriemen für sie zu nähen, da ihr die, die mit den Geräten geliefert werden, gar nicht gefallen haben. Aus 2 Hosenbeinen und der Gesäßtasche einer ausrangierten Jeans von mir habe ich dann diese Tasche genäht. Aus einem Hosenbein wurde die Tasche und aus dem anderen der Schultergurt. Ist toll geworden. Ich hatte Probleme, damit fertig zu werden, WOFÜR die Tasche ist, komisch irgendwie. Die Tasche hilft ihr ja und sie freut sich sehr darüber.

 

Das Kinderbuch haben wir fertiggestellt und nun ist der erste Probedruck unterwegs. Den werden wir in der nächsten Zeit noch überarbeiten. Leider ist Vilsbiburg bei mir nicht "um die Ecke", ich brauche da schon eine gute Stunde (einfache Wegstecke) und ich muß mich mit meinem Mann abstimmen, wann er von zuhause aus arbeitet, damit unsere beiden Hunde in der Zeit, in der ich in Vilsbiburg bin, versorgt sind. Und für die anderen Tage gibt es Gott sei Dank Facetime, so daß wir telefonieren und uns dabei sehen können.

 

Es sei noch nicht vorgekommen, daß ein Hospizbewohner ein Buch geschrieben habe. Und es sei auch noch nicht vorgekommen, daß einer aus dem Hospiz auszieht, um sich eine Wohnung zu suchen, weil der Krebs - niemand weiß, wie es dazu gekommen ist - verschwunden ist. Also kann ich vielleicht doch ein bißchen weiter hoffen...

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