Krebs mit Gelbsucht

Meine Freundin Katharina hat zur Zeit ihre Tante, die weiter weg wohnt, im Hospiz für ein paar Tage zu Besuch. Am Samstag fuhren wir dort hin und überraschten die Tante, die ich seit März nicht mehr gesehen hatte - das Gesicht sprach Bände! Katharina hatte gewußt, wann wir kommen würden, denn wir wollten noch in Altfrauenhofen beim Vilserwirt gut essen gehen, schon oft waren Katharina und ich zusammen dort gewesen, jedes Mal war es lecker! Als ich Katharina sah, hatte ich das Gefühl, daß etwas nicht stimmte und als wir kurz nach draußen gingen, weil sie eine Zigarette rauchen und ich dampfen wollte, fiel es mir auf: Ihre Haut hatte einen Gelbton, auch das Weiße der Augen war gelb. Das machte mir Angst, weil ich wußte, daß mit der Galle oder Leber etwas nicht so lief, wie es sollte. Mir fiel ein, daß meine Mutter etwa Anfang der 70er Gelbsucht gehabt hatte, sie ins Krankenhaus in Quarantäne kam und wir sie nur über den Balkon mit Zugang zur Balkontür mit "Sprechöffnung" besuchen konnten. Wäre die Gelbsucht von Katharina ansteckend, dachte ich dann, hätte das Pflegepersonal sicher den Besuch nicht erlaubt (mit "Gelbsucht" ist umgangssprachlich meistens die ansteckende Viruskrankheit gemeint, welche es in diesem Fall nicht ist). Katharina nahm die Gelbsucht ziemlich mit, sie sah es als "Bestätigung, daß es nun doch Krebs ist". Offensichtlich hatte sie die Hoffnung gehabt, daß es doch kein Krebs ist (so wie ich aber auch). Ihr ging es gar nicht gut, die wenigen Treppen zum Restaurant bereiteten ihr ziemliche Probleme. Der Stent im Gallengang sei aber nicht verstopft, das sei kontrolliert worden. Da müsse man doch etwas machen können?? Ich hatte den Eindruck, daß sie nicht wußte, wie sie mir darauf antworten sollte. Nein, machen könne man nichts. Und nein, ins Krankenhaus wolle sie nicht, "die holen mich doch nur zurück". Als ich nachfragte, war mir klar, daß sie keine weitere Behandlung wollte. Die erste Frage, die sich (Gott sei Dank) aber nur in meinem Kopf formulierte, war: "Aber warum nicht, wenn man das doch behandeln kann?" Jemand habe ihr gesagt, sie "habe auch schon das Dornenkreuz auf der Nase", was bedeute, daß sie bald sterben werde. Ich war gänzlich unvorbereitet, alles in mir aufgewühlt, ich wollte verdrängen, was ich gehört hatte, aber es ging nicht. Sie hatte es gesagt, dieses "s"-Wort. Keiner könne wissen, wann es so weit sei, sagte ich, sie solle nicht aufgeben. Das sind aber nur Worte, Taten wären besser. Aber wie am besten helfen??? Und warum verdrängt man das so, das mit dem Sterben? Antwort meines Mannes: Weil man sonst nicht weiterleben könnte. Stimmt das?

 

Hoffentlich konnten wir sie mit dem Abendessen wenigstens ein bißchen ablenken. 

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