Abschied

Meine Freundin Katharina ist heute vormittag von uns gegangen.

 

Am Montag abend hatte ich sie noch mit meinem Mann zusammen besucht, nachdem wir Nachricht bekommen hatten, daß es ihr gar nicht gut geht. Da meinte sie noch: "Was macht ihr denn hier?" Ich sagte ihr, ich hätte ohnehin mal vorgehabt, sie zu besuchen, wenn's dunkel ist.... Dienstag und Mittwoch hatte ich sie bis spätnachmittags besucht. Sie war aber nicht mehr ansprechbar und schlief. Die Atmung war rasselnd, durch den Schleim, der sich im Kehlkopf sammelte und den sie nicht abhusten oder schlucken konnte. Außerdem war sie sehr unruhig und versuchte immer wieder, aufzustehen.

 

Am Mittwoch lief auf der Fahrt nach Vilsbiburg und der Fahrt nach Hause innerhalb von also 2 x 70 Minuten dreimal (!) das Lied "Das Geschenk" von Sportfreunde Stiller:

 

Du trägst ein Herz auf deinen Lippen
Du reißt fixe Grenzen ein
bist bereit alles zu kippen, soll es so nicht sein
du machst aus ultra faden ausgetreten Pfaden
Tante Emmas wundervollen Phantasienladen.
Du kommst wie gerufen
trittst auf den Plan den es nicht gibt
Wie ein Bild das Götter schufen,
dich hat der Himmel geschickt
dich hat der Himmel geschickt

Und weil ich an dir Teilhab,
Und immer an dich denk
Und weil du mir so viel bedeutest,
bist du ein Geschenk
Du bist ein Geschenk
Und weil ich dich so sehr mag
und gern in deine Richtung lenk
und weil du mir so viel bedeutest,
bist du ein Geschenk
Du bist ein Geschenk

Du bist die Antwort auf die Frage,
gibt es reiche Tage
Ich spür mit dir,
hat mich das Glück im Visier
Du kommst wie gerufen
trittst auf den Plan den es nicht gibt
Wie ein Bild das Götter schufen,
dich hat der Himmel geschickt
dich hat der Himmel geschickt

 

Ja, Katharina war ein Geschenk.

 

Das Hospiz hatte mich heute morgen um 6 Uhr angerufen und ich machte mich gleich auf den Weg. So konnte ich Katharina noch beim letzten Stück ihres Weges begleiten.

 

Die Spuren Deines Lebens

sind in den Herzen derer,

die Dich gekannt und geliebt haben.

 

Von der Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs, die sie im August 2015 erhalten hatte, hat sie bis jetzt gekämpft.

 

Ich bin dankbar, daß sie in meinem Leben war und für die Zeit, die wir noch miteinander verbringen durften, da fällt mir spontan ein:

 

- unendlich viele sehr interessante Gespräche

- die viertägige Fahrt nach Ostdeutschland

- das Kinderbuch, zu dem sie zu meinem Text die Illustrationen gezeichnet hat

- unsere "himmlischen Frühstücke" im Cafe Himmel in Landshut

- der Besuch des Weihnachtsmarkts in Landshut im letzten Dezember

- unsere Malstunden zusammen

- die vielen köstlichen Mittagessen beim Vilserwirt, Altfrauenhofen

- wie wir zusammen Weihnachtsgans mit Knödel und Blaukraut bei mir zuhause kochten. Mit selbstgemachtem Nudelteig für die Nudelsuppe davor.

- ihre Feier, bei der sie Abschied von Kollegen und Freunden nahm

- ihre Geburtstagsfeier Ende Juli

- echten Mutzbraten (für die, die's nicht wissen: das ist eine Spezialität aus Thüringen), selbstgemacht, bei einer Grillparty im Garten ihres Sohnes

- wie wir spontan Marillenknödel im Hospiz selbst gekocht und dann bei Sonnenschein im Pavillion im Garten gegessen haben

- gemeinsames Kuchenbacken in der Küche des Hospizes, wobei sie mir die Benutzung eines Thermomix erklärt hat! Ja, sie war von neuer Technologie begeistert.

- die Fahrt im Cabrio und die anschließende Pferdekutschenfahrt

 

Solche Engel in Menschengestalt gibt es leider nur sehr wenige....

 

Danke!

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